AKTUELLES

(kiel 9. dezember 2008) Seit gestern abend in Kiel. Sehr gut untergebracht in einem Hotel direkt an der Förde. Ich trete vor die Türe: Wasser, Wind, Schiffe, Regen, Möwen, Klischees. Schön. Zur letzten Woche kurz und knapp. Gerne würde ich an dieser Stelle von einer erfolgreichen Uraufführung meiner "Rauchpause" berichten. Pustekuchen und leidiges Thema inzwischen. Wir vermelden den zweiten Ausfall. Ich war vor Ort. Es war recht absurd und ziemlich traurig. Ein kleines Interview haben wir immerhin aufgezeichnet. Ob das was wird im Januar? Da 2008 entschieden zäher und mühsamer endet, als ich mir das erhofft habe, gehe ich mal von einem rasanten Start in Richtung 2009 aus. Die Krise wird einfach konterkariert.



(gießen 21. november 2008)
Nach dem Besuch in den Unter- und Abgründen - siehe letzter Eintrag - sitze ich jetzt jeden Tag brav und diszipliniert zu Hause, meide Orte an denen Genußgifte verkauft werden  und arbeite an einem neuen Stück. Später mehr. Jetzt kurz nur: der Arbeitstitel: "Geld und weg!" Meines auch bald, deswegen: Mit Fleiß der weitverbreiteten Krise trotzen! Und draußen schneit es. Ach, diesbezüglich keine Klagen. Mir schreibt er fast täglich.

(bremen bahnhofskneipe  13. november 2008) Der Dreizehnte? Vollmond? Oder wie die Bahn gerne vermeldet: "Verzögerungen im Betriebsablauf"? Ich hatte mir fest vorgenommen an dieser Stelle nur von der Arbeit zu schreiben und alle Privatismen und Zustände zu vermeiden. Heute ist es mir mal egal. Vorgestern bin ich hoch nach Schleswig - Holstein gefahren, ein bißchen Konzept machen, Striche durchgehen für die nächste Inszenierung in Kiel. Habe übernachtet in einen Dreissigseelendorf irgendwo kurz vor Dänemark. Das Land war flach, der Wind fegte um die Ecken und überall standen diese gigantischen Windkraftmonsterpropeller.  Der Mann der Kollegin, mit der ich den Monolog in Kiel arbeiten werde, baut diese Dinger und kredenzte zudem diverse extrem gute schottische Inselwhiskey sowie indische Heilkräuter. Und - auch das noch - Schnitzel servieren sie da oben mit Sauce Hollandaise. Strange County. Dann viele seltsame Träume. Geschlossene Theater. Begegnungen mit  Vergangenheiten. Zeugs. Schweiß. Verrückte Kater. Uff. Heute morgen dann mache ich mich etwas zerknittert auf den Weg nach Wuppertal, um die Uraufführung meines Erstlingsstückchen "Rauchpause" zu betrachten. Zwischen Hamburg und Bremen meldet sich mein Notebook und erzählt mir, daß die Premiere ausfällt, weil der liebe Schauspieler - welch Ironie bei einem Stück über einen bekennenden Raucher - halserkrankt ist. Also verlasse ich den Zug in Bremen. Zum einem habe ich mir Bremen noch nie angeschaut und außerdem finde ich, daß in dieser Situation Tagesbierkonsum berechtigt ist. So lande ich in einer Bahnhofskneipe, die zudem das Rauchen erlaubt. Zwischen etlichen Herren und Damen, welche den Pegel, den ich noch anstrebe, schon längst erreicht haben, klappe ich mein Notebook auf - ich muß ja noch das Hotel  in Wuppertal stornieren und die geänderten Reisepläne der Restwelt mitteilen -  und komme mir dabei etwas deplaziert vor zwischen als diesen abgestürzten Zauseln, als mich eine neue Mail ereilt. Die Uraufführung ist verschoben auf den 5. 12. 2008 in Wuppertal. Das ist schön. Nichts gegen den zweiten Anlauf. Was zuckt und rappelt aber ist: Es gab mal eine sehr wichtige Frau in meinen Leben, die an diesem Tag Geburtstag hat und, als alles in sich zusammenbrach, sich nach Wuppertal aufmachte. Ich weiß, Zufälle habe keine Bedeutung. Jetzt noch ein Haake-Beck. Und sonst? Der Dreizehnte? Vollmond? Verzögerungen im Betriebsablauf? Letztlich bleiben Träume Schäume. Trotzdem noch ein weiteres Haake-Beck. Ist das da drüben nicht Klaus Allofs? Der hat auch Geburtstag am...(fade out)....wird schon seinen tieferen Sinn haben. (Aufbruch) Ran an die Arbeit.

(gießen 31. oktober 2008) Es ist der Hut. Zum ersten Mal habe ich jetzt den ANDEREN großen Mann der Lieder gesehen und gehört. Während der EINE Große sich unter seinem Hut und hinter und zwischen den Zeilen seiner Texte versteckt und bewegt, mit Masken jongliert und das einzig Haltbare der Fluß ist, den er seit Jahrzehnten befährt, steht der Andere auf der Bühne, in Bernstein gegossen, vom Berg der Meditation wieder herab gestiegen und hält den Hut vor sein Herz und - man traut es sich kaum zu schreiben - feiert die Liebe. Und seine Lieder. Er steht und - das sehr oft - kniet auf einem alten abgeranzten Teppich und macht aus der Festhalle in Frankfurt ein Wohnzimmer. Und all die alten Frauen schauen kurz mal vorbei. Ein - vor allem nach der Pause - zutiefst beeindruckendes Konzert. Konzertbericht. Radiobeitrag. Bildergalerie. Setlist.

(gießen 16. oktober 2008) Nachträge: Vor bald zwei Wochen die Premiere von "Glückliche Tage". Links Astrid Sacher als Winnie. Ziehe an dieser Stelle noch mal den Hut  vor ihr für diese Arbeit. Fünf Wochen die französische Fassung probiert im Frühjahr, und dann in knappen 2 (zwei) Wochen die deutsche Fassung zum Leben gebracht. Daß beim Premierenapplaus nach kurzer Zeit die Hälfte der Zuschauer aufstand: mehr als verdient. Was in diesen Zusammenhang allerdings diese aussagelosen Kritiken für eine Bedeutung haben - außer: Redakteurin in Urlaub also darf mal wer auch immer - keine Ahnung. Grauenhaft. In der Woche drauf dann nach Konstanz, um dort in der Werkstatt zweimal den "C-Schauspieler" zu geben. Ein bißchen unerquicklich das Ganze. Das eine Mal vor sehr wenig Menschen gespielt, das zweitemal dafür krank auf dem letzten Loch. Jedoch die anschließende Geburtstagsfeier mit alten Freunden entschädigte und zudem die Erkenntnis, daß, wenn Mitte Oktober ein Stadttheater schon am Rande des Nervenzusammenbruches entlang stolpert, die Arbeit als Selbstständiger durchaus seine Vorteile hat. Es reicht, wenn ich mich selber quäle. Und sonst neu sind paar Bildchen vom "Bandscheibenvorfall" . Letzte Vorstellungen: 17./ 18./ 24./ 25. und 31.Oktober.
Kommen!!! Gucken!!! Nicht nur ständig davon reden, gelle!!! Und natürlich: zur Zeit Tag und Nacht.